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#Frauenlesen

Leserückblick Juli

We were Liars – E. Lockhart

Aus einer ganz anderen Welt als Klüssendorfs Mädchen stammt Cadence – die Protagonistin des Jugendbuchs, das ich mir eigentlich als leichtes Intermezzo für zwischendurch ausgesucht hatte. (Spoiler-Alarm: es kam natürlich anders!)

Hineingeboren in eine reiche weiße Familie mit eigener Privatinsel, eigenem Boot, Bediensteten und dem ganzen Luxusgedöns, fehlt es Cadence eigentlich an nichts. Doch frei nach dem Anna-Karenina-Prinzip: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“, liegt auch hier einiges im Argen. Cadence Vater hat die Familie verlassen und ihr damit nach eigener Aussage ein tiefes Loch in die Brust geschossen, das nicht heilen will. Es hilft nur die Flucht nach Beechwood Island, wo sie schon all die anderen Sommer mit ihren Cousins und Cousinen verbracht hat. Sorglose unbeschwerte Tage im Sonnenschein und eine erste große Liebe, die ihre zarten Triebe Richtung Horizont streckt. Das Leben ist (wieder) schön. Bis zu dem Moment, an dem dunkle Wolken über den Ferienhäusern aufziehen.

Da Candace selbst sich jedoch nicht erinnern kann, wer oder was diese Wolken heraufbeschworen hat und niemand sonst darüber reden will, muss sie sich Stück für Stück alleine vortasten und mühsam die Puzzleteile aus verräterischen Floskeln und vielsagenden Blicken zusammensetzen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

“Silence is a protective coating over pain.”

We were liars

Auch wenn die privilegierten Sinclairs nicht unbedingt die sympathischste Familie der Welt sind; auch wenn ich ab und zu das Gefühl hatte, dass Cadence lieber ausgiebig in der Idee des Verliebtseins badet, als tatsächlich verliebt zu sein; auch wenn sich manche Seiten zogen bis das dunkle Geheimnis endlich gelüftet wurde – das Ende traf mich dann doch wie ein Faustschlag in die Magengrube und dafür bin ich E. Lockhart auf meine eigene verkorkste Masochistenart irgendwie dankbar.